nach Jean-Paul Sartre und Martin Buber
Mich berühren und faszinieren die Bilder von Franz Schwarzinger von einem sehr persönlichen und gleichzeitig sehr spezifischen “Blick”-Winkel – dem Blick der Augen in seinen Bildern.
Haben Sie auch einmal die Phase durchlebt, in der Sie sich fragten: “wer bin ich”, “was bin ich”, “was macht mein ich aus”. Beide Philosophen haben mich gelehrt, von dem was wir landläufig ICH nennen und mit Eigenschaften belegen, Abschied zu nehmen und es als zufällige, spontane, aber in einem Ursache-Wirkungsverhältnis stehende, temporäre Erscheinung ohne Anspruch auf Dauerhaftigkeit und Gültigkeit hinzunehmen.
Nach Jean-Paul Sartre:
Das was ich/sie ICH nennen, kann so viele Eigenschaften und Merkmale haben, wie es Menschen gibt, die mich anschauen, erblicken können – und dem bin ich/sind Sie eigentlich völlig ausgeliefert. Durch den Blick, den der andere auf mich richtet (was ich wiederum sehe) erfahre ich ihn/sie als Subjekt, nicht mehr als Objekt (was solange der Fall ist, wie er/sie meinen Blick nicht erwidert), gleichzeitig bekomme ich das Gefühl, Objekt des /der anderen zu werden – ich selbst erlebe mich ja als Subjekt, merke aber, dass ich Objekt für andere sein kann – die Welt erhält einen Sinn, dernicht der meine ist, weil ich nur eines von vielen Objekten bin in der Welt des anderen, der seiner Welt seinen Sinn gibt, den ich ad hoc nicht oder überhaupt nicht kennen kann.
Nach Martin Buber:
Nach Martin Buber gibt es kein ICH , das losgelöst von allem existieren könnte – es entsteht in der Kombination mit Erfahrungen und Beziehungen/Begegnungen. Es gibt nach Buber zwei Grundkategorien von Beziehungen: Ich – Du und Ich – Es.
In der Beziehung Ich – Es geht es um die Position und das Gewahrwerden der gegenständlichen mich umgebenden Welt, die mich von der Welt als gesondert erleben lässt. Hier ist das ich noch (fast) inhaltsleer, ist quasi eine Negativ-Definition. In der Beziehung Ich – Du nehme ich wahr, dass ich wahrgenommen werde von jemanden, der ebenfalls ICH sagt. ICH bekommt einen einmaligen und gleichzeitig vielfach wiederholbaren Charakter – eigentlich ein Paradoxon. Indem der andere DU sagt, verweist er auf mich als ICH: es entsteht eine Verknüpfung die zur gegenseitigen Abhängigkeit führt. Mein Ich /sein Ich, inhaltlich und existentiell hängt davon ab, dass jemand DU sagt. Das bedarf aber der Begegnung und des Blickes. Der Mensch wird am DU zum ICH.
Manche Augen bei Franz Schwarzinger schauen einen geradeaus an, andere an einem vorbei. Dieser (potentiell) konstituierende Faktor in den Bildern fasziniert mich.
Aus dem Katalog “Franz Schwarzinger – Augen-Blicke”, 2004
Mag. Roman Strauss, Philosoph, 2004